Datenbanken in der Paläontologie
Protokoll des Workshops am 20. September 2001 in Oldenburg
1. Liste paläontologisch relevanter Datenbanken
Frau Olga Dietl aus Stuttgart (Staatliches Museum für Naturkunde, Stuttgart), die anstelle von Herrn Hannes Löser, der berufsbedingt an der Universidad Nacional Autonoma de México in Hermosillo (Mexiko) tätig ist und an der Teilnahme der Tagung verhindert war, den Workshop leitete, schlug die Erstellung einer Liste aller verfügbaren paläontologisch relevanten Datenbanken vor. Sie legte bereits eine aus dem Internet gewonnene erste Liste mit 36 Einträgen und eine Zusammenstellung der GEOBIOLINK-Datenbank mit den URL der dort aufgeführten Datenbanken vor. Sie sollte vervollständigt und aktualisiert werden. Frau Dietl schlägt vor, daß auch Datenbanken zu paläontologischen Museumsbeständen und systematische Datenbanken der Biologie erfasst werden sollten.
Im Anschluß sprach Frau Dietl über die generelle Situation hinsichtlich paläontologischer Datenbanken: die Biologen bauen mit ihrem "zefod" ein Dach, ohne ein Fundament zu haben. Sie haben vorerst Mittel für 2 Jahre um eine Datenbank aufzubauen, die alle biologischen Datenbanken unter ein Dach bringen soll. Jedoch existieren noch keine Datenbanken, die unter dieses Dach gehören. Die Paläontologie wurde dabei ausgeschlossen. Es existieren in Deutschland aber paläontologische Datenbanken, und es werden - wenn auch mit moderatem Tempo - immer mehr. Perspektivisch sollte man nicht nur eine Liste der in Deutschland existierenden paläontologische Datenbanken zusammenstellen, sondern und mit jedem einzelnem Besitzer über eine gemeinsame Datenbank bzw. Schnittstelle reden.
2. Das Paläontologische Datenbanksystem PaleoTax
Jürgen Kullmann aus Tübingen (Geol.-Paläontol. Institut der Universität Tübingen) berichtet von einer gänzlich neuen Version von PaleoTax (Version 2.0), die unter WINDOWS läuft. Sie stellt eine "Universalstruktur" dar, die aus dem Bestreben, mit der Struktur möglichst viele Anwenderwünsche abzudecken, in langjähriger Arbeit (mit vielen Vorgänger-Versionen) entwickelt wurde. Sie steht im Gegensatz zu Datenbanken mit ausgesprochener Spezialstruktur, wie z. B. GONIAT, ein zwar vielseitig verwendbares, doch auf ein stratigraphisches und paläontologisches Spezialgebiet begrenzten Datenbank-System. GONIAT behandelt nur den Zeitraum Devon bis Trias und hierbei nur die paläozoischen Ammonoideen, diese aber nicht hinsichtlich der objektiven Daten (Literatur, Vorkommen, Systematik), sondern auch der stark subjektiven der biostratigraphischen Einstufung und der taxonomischen Merkmale.
Kennzeichen von PaleoTax ist die Betonung der Aufnahme der objektiven Daten wie Literatur, Geographie, Stratigraphie und Palökologie, Taxonomie, Probenmaterial; das Datenbank-System besteht aus vielen weiterhin sichtbaren einzelnen Datenbanken, die aber alle in dem relationalen Verbund integriert sind. Ein sehr sorgfältig ausgearbeitetes Handbuch mit zahllosen Abbildungen ermöglicht den Einstieg von gänzlich Ungeübten in die Datenbank-Technik. Das Datenbanksystem ist kostenlos erhältlich (http://www.paleotax.de)
3. Datenbank am Göttinger Zentrum für Geowissenschaften
Herrn Hans Jahnke aus Göttingen (Göttinger Zentrum für Geowissenschaften) berichtet, daß große paläontologische Sammlungen, insbesondere abgebildete Originale, in einer Datenbank erfasst werden. Die äußerst umfangreiche Bernsteinsammlung mit
Fossil-Inklusen wird in einer ACCESS-Datenbank aufgenommen.
4. Nächster Workshop
Ein Vorschlag für den nächsten Workshop wurde bisher nicht gemacht, da erst geprüft werden soll, ob bei der nächsten Jahresversammlung der Paläontologischen Gesellschaft 2002 in Würzburg ein geeigneter Termin möglich ist. Information hierüber wird rechtzeitig an alle registrierten Mitglieder der Gruppe erfolgen.
Anmerkung
Die beim zweiten Workshop in Zürich 1999 geäußerte Anregung, im Laufe der beiden folgenden Jahre Vorstellungen zu einer Struktur zu entwickeln, innerhalb der alle paläontologischen Datenbanken eingebunden sind, wurde aufgegriffen. Sie sollte bei der Tagung der Paläontologischen Gesellschaft in Oldenburg im Jahre 2001 vorgestellt werden; ein derartiger Vorschlag befindet sich im Druck (P. Kullmann & J. Kullmann, PaleoWeb "Integrierte Nutzung verteilter heterogener Datenbanken", Mathematische Geologie, Band 6, Dresden 2002). Die Geokommission, die seinerzeit Datenbanken als eine wichtige Voraussetzung künftiger paläontologischer Forschung bezeichnete und als besonders förderungswürdig ansah, wurde informiert.
Zusammengestellt nach Protokollen von Jürgen Kullmann und Olga Dietl.
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Details zu Anwendern.
Verantwortlich für die Internetseiten und Kontakt: Hannes Löser (Hermosillo, Mexiko)
Erstellt : 5.11.2001